

Beschreibung
Der bekannteste und beliebtest Berliner führt durch seine Stadt ein Reiseführer der anderen Art. Es gibt derzeit wohl kaum einen bekannteren Berliner als Wladimir Kaminer. Und keinen, der geeigneter wäre, die Stadt einem Touristen in all ihren Facetten vorzust...Der bekannteste und beliebtest Berliner führt durch seine Stadt ein Reiseführer der anderen Art. Es gibt derzeit wohl kaum einen bekannteren Berliner als Wladimir Kaminer. Und keinen, der geeigneter wäre, die Stadt einem Touristen in all ihren Facetten vorzustellen. Von einer kurzen Einführung in die Berliner Historie über Geschichten zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder das Verhalten japanischer Touristen bringt Wladimir Kaminer auf gewohnt witzig-charmante Art dem Leser seine neue Heimat näher. Dabei dürfen natürlich auch praktische Hinweise nicht fehlen: Dazu gehören kleine Spazierrouten, dank derer man auf den Spuren von Wladimir Kaminer durch die Stadt schlendern kann, sowie Adressen origineller Restaurants, Geschäfte und anderer im Buch vorgestellten Attraktionen.
"Es fällt schwer, ihn nicht zu lieben: Wladimir Kaminer, der russische Lakoniker aus Berlin, sucht nicht, sondern findet das Besondere."
Autorentext
Wladimir Kaminer wurde 1967 in Moskau geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Mit seiner Erzählsammlung »Russendisko« sowie zahlreichen weiteren Bestsellern avancierte er zu einem der beliebtesten und gefragtesten Autoren Deutschlands.
Klappentext
Der bekannteste und beliebtest Berliner führt durch seine Stadt - ein Reiseführer der anderen Art.Es gibt derzeit wohl kaum einen bekannteren Berliner als Wladimir Kaminer. Und keinen, der geeigneter wäre, die Stadt einem Touristen in all ihren Facetten vorzustellen. Von einer kurzen Einführung in die Berliner Historie über Geschichten zu Sehenswürdigkeiten am Wegesrand oder das Verhalten japanischer Touristen bringt Wladimir Kaminer auf gewohnt witzig-charmante Art dem Leser seine neue Heimat näher. Dabei dürfen natürlich auch praktische Hinweise nicht fehlen: Dazu gehören kleine Spazierrouten, dank derer man auf den Spuren von Wladimir Kaminer durch die Stadt schlendern kann, sowie Adressen origineller Restaurants, Geschäfte und anderer im Buch vorgestellten Attraktionen.
Leseprobe
Ich bin kein Berliner
Ich bin kein Berliner. Ich bin auch nicht Deutschland. Die Social-Marketing-Kampagne des letzten Jahres Du bist Deutschland hat mich nur irritiert. Ich kenne mich hier nicht wirklich aus. Vor fnfzehn Jahren kam ich nach Ostberlin, aus Grnden, die mir bis heute relhaft geblieben sind. Wahrscheinlich war es blo Neugier auf die Welt und ungebremste Reiselust, die mich damals nach Berlin trieben. Die Reise erwies sich als fatale Entscheidung. Einmal hier gelandet, kommt man kaum mehr weg. Berlin bindet.
Alle Einheimischen, die ich im Laufe der Jahre kennengelernt habe, wollten immer als Erstes wissen, wieso ich damals ausgerechnet Berlin beziehungsweise Deutschland als Reiseziel gesucht hatte. Meine Ausweichantworten Es hat sich so ergeben oder Ich bin in den falschen Zug gestiegen konnten sie nicht zufriedenstellen. Wenn ich aber zur Abwechslung sagte, ich fe Deutschland gut und Berlin sei eine tolle Stadt, wollte mir das einfach keiner glauben.
Die Eingeborenen zeigen sich in der Regel sehr kritisch ihrem Land und ihrer Stadt gegenber. Erst vor kurzem traf ich in unserer Stammkneipe einen Journalisten aus Bochum, der genau wie ich vor fnfzehn Jahren nach Berlin ausgewandert war und mich nicht nach den Grnden meiner damaligen Abreise fragte. Von sich behauptete er sogar ungeniert, ihm w es schon immer klar gewesen, dass er hier in einem Paradies lebe. Alle Ge, die unserem Gespr lauschten, hatten sofort Abstand von dem Mann genommen. Die Wirtin vermutete spr, er w unter Drogen gestanden. Inzwischen weiich, was diese stige Fragerei soll: Es ist eine Art Flirt. Das Land will gefallen, sch sich aber, es ffentlich zuzugeben. Unsere Liebesbeziehung steckt deswegen permanent in einer Krise, die aber fr beide Seiten fruchtbar ist.
Schon an meinem ersten Tag in Berlin musste ich im Berliner Polizeiprdium am Alexanderplatz mit ein paar anderen Russen zusammen Fragebgen ausfllen, um humanits Asyl gewt zu bekommen. Die Frage Aus welchem Grund haben Sie Deutschland gewt, und was haben Sie in Deutschland vor? stand ganz oben auf der Liste. Niemand von meinen Landsleuten hatte eine Idee, wie man diese Frage vernnftig beantworten konnte. Sie waren alle mehr oder weniger zufig in Deutschland gelandet, weil sie zum Beispiel eine nette deutsche Tante hatten oder einen deutschen Freund, der sie eingeladen hatte. Ein erer, intelligent aussehender Mann, der Einzige aus unserer Asylantengruppe, der ber gute Deutschkenntnisse verfgte, schrieb, er sei ein Bewunderer der deutschen Kultur und Sprache, woraufhin alle anderen diesen Satz von ihm bernahmen.
Mit einer Zweimonatsduldung verlien wir, die frisch gebackenen Deutschkultur-Bewunderer, damals das Polizeiprdium am Alex. Zwei Monate mssten euch reichen, um die deutsche Kultur grndlich kennenzulernen, witzelte der zustige Beamte. Dreizehn Jahre spr, als ich hier die Staatsangehrigkeit fr mich und meine Kinder beantragte, wurde ich erneut in den unzigen Formularen mit der gleichen Frage konfrontiert. Warum Deutschland?, wollte man von mir wissen.
Die jungen Russen und Ukrainer, die sich heute als Au-pair-Mhen beziehungsweise -Jungs fr deutsche Kinder bewerben oder sich zum Studium in Berlin anmelden wollen, fllen liche Fragebgen aus. Sie mssen darin verstlich machen, warum sie unbedingt in Deutschland studieren oder arbeiten wollen und nicht zum Beispiel in Zimbabwe, und was sie an Deutschland besonders schen. Die meisten schreiben immer das Gleiche voneinander ab: Deutsche Ordnung, Pnktlichkeit und Genauigkeit (!) mchte ich lernen. Diese Eigenschaften werden mir auf meinem beruflichen Weg sehr helfen. Als ob sie alle spr Polizisten, Zugabfertiger oder Stranfeger werden wollen.
Warum mssen die Deutschen unbedingt wissen, was die anderen ber sie denken?, fragte mich einmal ein Au-pair-Mhen, und ich konnte ihr keine vernnftige Antwort geben.
Sag ehrlich, was hst du von mir?, ist bekanntlich eine gefliche Frage, die man nicht einmal dem besten Freund stellen sollte. Mit einer solchen Frage kann jede glckliche Ehe ruiniert, echte Freundschaft gelst, ein vielversprechender Arbeitsvertrag vorzeitig beendet werden. Solche Fragen sorgen niemals fr Aufklng, sie s nur noch mehr Misstrauen. Dessen ungeachtet bemht sich Deutschland, nach seinen eigenen Bildern in der Fremde zu forschen: Jeder Ausler, der hierherkommt, wird einem Verhr unterzogen. Im Ausland werden parallel dazu groangelegte Untersuchungen durchgefhrt, um festzustellen, was der eine oder andere dort von Deutschland h. Die Ergebnisse sind so lala. Kaum jemand will die deutschen Leistungen in den Bereichen Kultur, Freizeit und Sport wrdigen, auch nicht die deutschen Errungenschaften in der Wissenschaft und die exotische deutsche Kche. Stattdessen kommen in den Vorstellungen der Ausler ber Deutschland immer wieder Hitler, das Bier und die Ordnung vor. Wenn die Deutschen im Ausland gelobt werden, dann stets von den Falschen und fr Taten, die das Land selbst am liebsten schnell vergessen wrde. Die Iren verlieren manch gutes Wort ber die Deutschen, weil sie einst England bombardiert haben; die Araber wrdigen sie fr den Versuch, die jdische Bevlkerung auszurotten; die Japaner sehen den Deutschen gerne im Fernsehen beim Jodeln zu; und die Russen halten die deutschen Pornofilme fr die hesten der Welt. Ich habe sie selbst nicht gesehen, man hat es mir erzt.
Die meisten Ausler schpfen jedoch ihre Informationen ber Deutschland aus alten Kriegsfilmen. Eine Bekannte, die als selbststige Reiseunternehmerin Touristengruppen durch Berlin fhrt, erzte mir neulich, dass sie fr die deutschen und auslischen Ge zwei vllig unterschiedliche Reiserouten hat. Den Deutschen zeigt sie, wo Marlene Dietrich heiratete und in welcher Kneipe Ringelnatz seine Gedichte schrieb. Auf Englisch erzt sie, wo Himmler seine Brtchen holte und wo Goebbels Zahnarzt praktizierte. Diese Informationen entsprechen den alten Filmklischees, die noch immer das Deutschlandbild der Amerikane…