

Beschreibung
2011 feiert die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ihr 50-Jahr-Jubiläum. 1960 wurde der Dienst für technische Zusammenarbeit gegründet, 1961 das Amt eines Delegierten des Bundesrats für technische Zusammenarbeit geschaffen. Dies markierte den ...2011 feiert die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ihr 50-Jahr-Jubiläum. 1960 wurde der Dienst für technische Zusammenarbeit gegründet, 1961 das Amt eines Delegierten des Bundesrats für technische Zusammenarbeit geschaffen. Dies markierte den eigentlichen Beginn der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit in der Schweiz. Das Buch von René Holenstein blickt auf ein halbes Jahrhundert schweizerische Entwicklungshilfe zurück, zieht Bilanz. Es beschreibt die Grundsätze und die Ziele sowie die Wege und die Akteure der Entwicklungszusammenarbeit. Ein historischer Abriss bietet einen Überblick über die Geschichte der Entwicklungspolitik in der Schweiz. Der Autor fragt nach dem Warum, aber auch nach dem Erreich-ten, den Erfolgen in der Entwicklungszusammenarbeit. Diese finden sich in der Armutsbekämpfung, der Friedenspolitik und der Wahrung der Menschenrechte, in der guten Regierungsführung sowie der Förderung der Zivilgesellschaft. Die Stärkung von Frauenrechten ist hierbei ein besonders zentraler Aspekt. Doch auch die Wirksamkeit der Entwicklungszusammenarbeit wird thematisiert, auch kri-tisch, weil Politik und Öffentlichkeit zunehmend messbare Resultate und Qualitätsnachweise fordern. Das Buch enthält überdies Erfahrungsberichte von fünfzehn Schweizer Entwicklungshelferinnen und Entwicklungshelfern, die ihre persönlichen Motivationen sowie verschiedene Facetten ihres Engage-ments sichtbar machen. Während einige dieser Beiträge eher persönlicher Natur sind, analysieren an-dere mehr die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit ihres Einsatzes. Das Buch von René Holenstein richtet sich an eine breite Öffentlichkeit und antwortet auf das gestie-gene Interesse an globalen Fragen und Entwicklungen. Der Autor arbeitet Erfahrungen auf, macht Lernprozesse sichtbar und stellt Resultate anhand von ausgewählten Beispielen dar. Er umreisst aber auch die aktuellen Herausforderungen der Entwicklungspolitik und präsentiert Handlungsansätze für die Zukunft.
Leseprobe
'Am Anfang des vergangenen Jahrhunderts waren die Unterschiede zwischen den Erdteilen noch gering. Nun aber erkannten wir plötzlich diese unglaubliche Diskrepanz zwischen dem reichen Norden und dem armen Süden. Alle Probleme hatten eine neue Dimension erhalten, man konnte sie nicht mehr isoliert betrachten. Das war der Hauptgedanke der Entwicklungszusammenarbeit.' (Ruth Dreifuss) 'Unsere Bemühungen sind von einflussreichen Interessen aus Politik und Wirtschaft immer wieder überrollt worden. Trotzdem ist es falsch, die Entwicklungszusammenarbeit als Alibiübung zu bezeichnen. Ein Vergleich zwischen der heutigen Situation und derjenigen vor vierzig oder fünfzig Jahren zeigt: Die Anstrengungen haben etwas gebracht. [] Die Entwicklungszusammenarbeit ist keine Pflästerlipolitik, die bloss die Wunden pflegt, welche die reichen Staaten den Armen zufügen.' (Jean-François Giovannini) 'Historisch gesehen war der Kalte Krieg der eigentliche Motor der Entwicklungszusammenarbeit. [] Dieselbe Verknüpfung von nationalen Eigeninteressen und Sicherheitspolitik findet man heute wieder. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde argumentiert, die Entwicklungszusammenarbeit stelle eine Versicherung gegen die Ausbreitung des internationalen Terrorismus dar. Und in der Tat wurde der Irak in einem Zeitraum von drei Jahren zum wichtigsten Hilfeempfänger.' (Jacques Forster)
Inhalt
Dort, wo wir stark sind, können wir am meisten bewirken: Geleitwort (Martin Dahinden, Direktor Deza) EINLEITUNG Viel erreicht und noch viel zu tun: zu diesem Buch Entwicklungspolitik im globalen Wandel: ein Überblick Schwerpunkte der Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz Ruth Dreifuss: Gegen das Auseinanderdriften der Kontinente EINE KLEINE GESCHICHTE DER ENTWICKLUNGSPOLITIK Die Pionierzeit (1950er/1960er Jahre) Rolf Wilhelm: Wir waren Praktiker, keine Experten Projekthilfe Entwicklungszusammenarbeit Entwicklungspolitik (1970er Jahre) Thomas Raeber: Ein schöpferischer Entwicklungsbürokrat Ein 'verlorenes Jahrzehnt' (1980er Jahre) Hans Aschmann: 'Sahib, tea is ready!' Vom Nord-Süd-Konflikt zur Globalisierung (1990er Jahre) Die Millenniums-Entwicklungsziele ein Ende der Armut in Sicht? Ausblick: Schliesst sich der Kreis? Jacques Forster: Entwicklungspolitik ist Weltinnenpolitik Marcel Heimo: Den Ärmsten helfen WAS IST GUTE ENTWICKLUNGSZUSAMMENARBEIT? Armut bekämpfen Burkina Faso: Mit Bildung zum Erfolg Frauen verwirklichen Rechte Immita Cornaz: Die Menschen stehen im Mittelpunkt Menschliche Entwicklung: Ein Politikwechsel zeigt Wirkung Jean-François Giovannini: Keine 'Pflästerlipolitik' Was wurde erreicht? Empowerment Die Menschen ermächtigen Martin Menzi: Zeit vor Geld Menschenrechte fördern, Frieden sichern Wegweisend für die Arbeit: Der Menschenrechtsansatz Völkerrechtliche Normen und Standards Konflikte lösen durch Partizipation Frieden langfristig untermauern Humanitäre Hilfe, die wirkt Serge Chappatte: Zusammenarbeit mit der Basis suchen Noa Zanolli: Entwicklung und Frieden gehören zusammen Martin Pallmann: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht Staat festigen, Gesellschaft stärken Lokale Entwicklung und Dezentralisierung Der Streit um die Rolle des Staates Stille Revolution an der Basis Max Greco: Nicht auf jede Modewelle aufspringen Walter Fust: Die Hilfe darf nicht instrumentalisiert werden RICHTIG EINGESETZTE HILFE FUNKTIONIERT Die Kontroverse um die Wirksamkeit der Entwicklungshilfe Das Nicht-Messbare und das Un-Planbare * Rudolf Dannecker: Abhängigkeit ist ein Hindernis für Partnerschaft Engagiert bleiben! Schlüssel zum Erfolg