

Beschreibung
Seit jeher war das Spielen für Menschen von großer Bedeutung, ermöglicht es doch Rückzug aus dem Alltag, Erholung und kreative Entfaltung. Kinder spielen, um ihre (Er-)Lebenswelt zu strukturieren, sich eine eigene Identität zu formen und ihre Rolle im gesellsc...Seit jeher war das Spielen für Menschen von großer Bedeutung, ermöglicht es doch Rückzug aus dem Alltag, Erholung und kreative Entfaltung. Kinder spielen, um ihre (Er-)Lebenswelt zu strukturieren, sich eine eigene Identität zu formen und ihre Rolle im gesellschaftlichen Sozialgefüge zu finden. In unserer hochtechnologisierten und sozial komplexen Zeit sind diese Bedürfnisse ausgeprägter und aufwendiger denn je. Von den modernen Medien werden daher (nicht mehr nur von Heranwachsenden) häufig intuitiv Computerspiele herangezogen, da diese die Möglichkeit bieten, die mit der Selbstsozialisation verbundenen Bedürfnisse nach Macht, Kontrolle und Partizipation zu erfahren und sich nach erfolgreich bewältigten Herausforderungen umgehend zu belohnen. Die Gratwanderung zwischen der Hingabe an das Spiel und der Wahrung der nötigen Distanz gelingt dabei nicht immer. Einige Gamer entwickeln Mediennutzungsschemata, die jenen klassischer Suchtmittelabhängigkeit ähneln, während andere davon unberührt bleiben. Diese Studie untersucht, die an diesem Phänomen beteiligten medieninhärenten und psychodynamischen Faktoren und Mechanismen sowie die potenziell daraus resultierenden psychosozialen Veränderungen.
Klappentext
Seit jeher war das Spielen für Menschen von großer Bedeutung, ermöglicht es doch Rückzug aus dem Alltag, Erholung und kreative Entfaltung. Kinder spielen, um ihre (Er-)Lebenswelt zu strukturieren, sich eine eigene Identität zu formen und ihre Rolle im gesellschaftlichen Sozialgefüge zu finden. In unserer hochtechnologisierten und sozial komplexen Zeit sind diese Bedürfnisse ausgeprägter und aufwendiger denn je. Von den modernen Medien werden daher (nicht mehr nur von Heranwachsenden) häufig intuitiv Computerspiele herangezogen, da diese die Möglichkeit bieten, die mit der Selbstsozialisation verbundenen Bedürfnisse nach Macht, Kontrolle und Partizipation zu erfahren und sich nach erfolgreich bewältigten Herausforderungen umgehend zu belohnen. Die Gratwanderung zwischen der Hingabe an das Spiel und der Wahrung der nötigen Distanz gelingt dabei nicht immer. Einige Gamer entwickeln Mediennutzungsschemata, die jenen klassischer Suchtmittelabhängigkeit ähneln, während andere davon unberührt bleiben. Diese Studie untersucht, die an diesem Phänomen beteiligten medieninhärenten und psychodynamischen Faktoren und Mechanismen sowie die potenziell daraus resultierenden psychosozialen Veränderungen.
Leseprobe
Textprobe:
Kapitel 2.3.1, Gibt es eine Suchtpersönlichkeit? Erklärungsansätze und Faktoren der Suchtentstehung:
Seit etwa den 1950er Jahren stellte man sich in der Suchtforschung und der klinischen Psychologie die Frage, wie man einer Abhängigkeitsentstehung entgegenwirken könne. Naheliegenderweise verband man mit dieser Frage die Notwendigkeit der Ursachenforschung auf diesem Gebiet, mit der verschiedene Erklärungskonzepte einhergingen: 'Sind es eher die Menschen, die eine genetische Anlage dazu haben, einer allgemeinen Suchtpersönlichkeit beziehungsweise bestimmten psychischen Störungen oder schlechten psychosozialen Bedingungen in der Biographie, mit traumatischen Erfahrungen, unbefriedigten Sehnsüchten oder bedenkenlosem Risikoverhalten, sind sie Opfer oder/und Sündenböcke einer Suchtgesellschaft, der gesellschaftlichen Ungleichheit und Ausgrenzung, des zugespitzten Leistungswettbewerbs, einer unbefriedigenden Beziehung oder einer krankmachenden Familiendynamik, der Verführung durch andere Menschen oder durch die Werbung der Orientierungslosigkeit im Wertepluralismus oder der modernen Vernunftorientierung oder sind es die sensibleren, phantasievolleren, kreativeren und daher verletzlicheren Menschen?'Besonders die Frage nach der Existenz einer spezifischen Suchtpersönlichkeit, also nach einem bestimmten Persönlichkeitsprofil, das nachweislich eine besondere Neigung zur Entwicklung eines Abhängigkeitssyndroms aufweist, wird unter einem gewissen Teil der diesbezüglich forschenden Wissenschaftler bis heute diskutiert. Es existieren gegenwärtig verschiedene Standpunkte zu diesem Thema, eine Einigung ist in naher Zukunft nicht abzusehen. Prof. Dr. KARL MANN, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie e.V. und Mitglied des Drogen- und Suchtrates der Bundesregierung, äußerte sich in einem Interview mit der Zeitschrift Psychologie heute folgendermaßen zu diesem Thema: 'Das Konzept einer 'Suchtpersönlichkeit' ist (...) reine Fiktion - so zeigen Suchtpatienten (...) das gesamte Spektrum der Persönlichkeitseigenschaften wie der Rest der Bevölkerung auch. Bei den Abhängigen finden sich alle sozialen Schichten, Temperamente oder Altersstufen - junge oder ältere Arbeiter und Lehrer genauso wie Phlegmatiker oder Choleriker. Sucht ist unabhängig von Ausbildung oder sozialer Stellung: Unter Alkoholikern etwa finden sich prozentual ebenso viele Akademiker, Ärzte oder Psychologen wie Pfarrer oder Bierkutscher. Die 'Suchtpersönlichkeit' ist ein ursprünglich psychoanalytisches Konstrukt, das seit den 50er Jahren auch in der Suchttherapie eine Rolle spielte. Heute muss man davon ausgehen, dass [es] weder in der Forschung noch in der klinischen Praxis irgendwo bestätigt oder hilfreich gewesen wäre. Diesen Kenntnisstand könnte man in der Wissenschaft und der Öffentlichkeit am Anfang des neuen Jahrhunderts endgültig zur Kenntnis nehmen.'Unabhängig davon, ob jemals ein derartiger Persönlichkeitstyp nachgewiesen werden wird, gibt es jedoch bestimmte Hinweise auf Gemeinsamkeiten unter Süchtiggewordenen, vor allem hinsichtlich der Veränderung ihres Gefühls-, Erregungs- und Bewusstseinszustandes. Der Offenbacher Psychologe und Psychotherapeut WERNER GROSS sieht in jeder Abhängigkeitsentwicklung vor allem eine Flucht aus dem momentanen psychosozialen und lebensweltlichen Jetzt-Zustand des Betroffenen, die jedoch verschiedenartig gerichtet sein kann. Er differenziert diese Ausrichtung in 'aufputschend, dämpfend oder halluzinogen. [Den] Hintergrund für das wiederholte Aufsuchen dieser Zustände [sieht er] fast immer [in einem] schwach ausgeprägten Selbstwertgefühl, [dass] durch eine Vielzahl von seelischen Verletzungen oder Defiziten, die sich im Laufe der Entwicklung eines Menschen ansammeln und kumulieren, [entsteht].' Er benennt ferner acht Faktoren, die die Herausbildung von abhängigem Verhalten beeinflussen (vgl. GROSS, 2003, S.257-260):
Genetische Faktoren:
In der Zwil