

Beschreibung
Vom Autor des gefeierten Romans »Die Erfindung des Lebens« Hanns-Josef Ortheils Szene-Roman »Agenten« wurde bei seinem Erscheinen im Jahr 1989 als ein genaues und eindringliches Porträt der achtziger Jahre gefeiert. Nach dem Zerfall der politischen Zirkel und ...Vom Autor des gefeierten Romans »Die Erfindung des Lebens«
Hanns-Josef Ortheils Szene-Roman »Agenten« wurde bei seinem Erscheinen im Jahr 1989 als ein genaues und eindringliches Porträt der achtziger Jahre gefeiert. Nach dem Zerfall der politischen Zirkel und alternativen Bewegungen ging es um Geld, Karriere und Konsum und damit um die Kultivierung der Ego-Welten. Kühl, respektlos und präzise seziert Ortheils Ich-Erzähler, der junge Journalist Meynard, die Psycho-Dramen einer damals beginnenden neuen Epoche. Als virtuose Skizze einer Clique von jungen Möchtegern-Dandys wurde dieser Roman rasch zum Kultroman, dessen Aktualität und Frische sich bis heute völlig unvermindert erhalten haben.
Dieser Roman hat die "scharfe Prägnanz einer sozialen Studie und ist geschrieben "mit einer auf Tiefenschärfe ausgerichteten Psychologie".
Autorentext
Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren. Er ist Schriftsteller, Pianist und Professor für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Seit vielen Jahren gehört er zu den beliebtesten und meistgelesenen deutschen Autoren der Gegenwart. Sein Werk wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Thomas-Mann-Preis, dem Nicolas-Born-Preis, dem Stefan-Andres-Preis und dem Hannelore-Greve-Literaturpreis. Seine Romane wurden in über zwanzig Sprachen übersetzt.
Klappentext
Vom Autor des gefeierten Romans »Die Erfindung des Lebens«
Hanns-Josef Ortheils Szene-Roman »Agenten « wurde bei seinem Erscheinen im Jahr 1989 als ein genaues und eindringliches Porträt der achtziger Jahre gefeiert. Nach dem Zerfall der politischen Zirkel und alternativen Bewegungen ging es um Geld, Karriere und Konsum und damit um die Kultivierung der Ego-Welten. Kühl, respektlos und präzise seziert Ortheils Ich-Erzähler, der junge Journalist Meynard, die Psycho-Dramen einer damals beginnenden neuen Epoche. Als virtuose Skizze einer Clique von jungen Möchtegern-Dandys wurde dieser Roman rasch zum Kultroman, dessen Aktualität und Frische sich bis heute völlig unvermindert erhalten haben.
Zusammenfassung
Vom Autor des gefeierten Romans »Die Erfindung des Lebens«
Hanns-Josef Ortheils Szene-Roman »Agenten« wurde bei seinem Erscheinen im Jahr 1989 als ein genaues und eindringliches Porträt der achtziger Jahre gefeiert. Nach dem Zerfall der politischen Zirkel und alternativen Bewegungen ging es um Geld, Karriere und Konsum und damit um die Kultivierung der Ego-Welten. Kühl, respektlos und präzise seziert Ortheils Ich-Erzähler, der junge Journalist Meynard, die Psycho-Dramen einer damals beginnenden neuen Epoche. Als virtuose Skizze einer Clique von jungen Möchtegern-Dandys wurde dieser Roman rasch zum Kultroman, dessen Aktualität und Frische sich bis heute völlig unvermindert erhalten haben.
Leseprobe
Es war ein matter Sommer, lauter lausige Tage, und niemand von uns liehren, wie man Druck he machen knnen. Wir schliefen zu lange, hatten kaum Appetit und san am frhen Nachmittag vor den leeren Kneipen, wenn der siche Schweider vergangenen Nacht noch in den erkalteten Ren hing. Meist redete einer zuviel, und die anderen blickten die Stra entlang, wo sich das ferne Leben abspielte, auf das niemand schon scharf war. Ich hatte mir orientalische Zigaretten gekauft, die Schachtel fr mehr als 5 Mark, und ich konnte nicht aufhren mit dem Rauchen, selbst nicht, als der Mund ganz trocken war und ein beizender, metallischer Geschmack auf der Zunge lag. Aus irgendeinem Fenster drhnte Musik, nichts Nerviges, nur diese Sachen von gestern, verspt und drge. Das Bier schmeckte lau, wir schoben die Glr schwerfig ber die verschmierten Plastiktische und tranken doch mit nur kurzen Pausen, als drohe die feine Gischt bald zu verebben. In Gedanken ging jeder die Schauple des Abends durch, sich ausmalend, was sie ihm bringen wrden. Es war alles ein Warten, nur einer wechselte laufend den Platz, um soviel Sonne wie mglich mitzubekommen. Ich mochte diese empfindlichen Stunden nicht, ich kam nicht an gegen die Lautlosigkeit, und so saich wie die anderen ungelenk herum, mit dem Stuhl auf und ab wippend. Manchmal machte sich einer auf, eine Runde zu drehen, doch wir schauten ihm nicht hinterdrein, da es unruhig machte, ihn davongehen zu sehen. Spr stieer wieder zu uns, irritiert und warm getankt, als habe er sich verlaufen und sei froh, uns wiedergefunden zu haben. Worber sollte man reden, um auf Touren zu kommen? Noch immer beherrschten uns diese verkappten Antriebe, sie beschigten einen wie wacklige Bilder im frhen Schlummer, und man verdrte sie ebenso schnell, wie sie aufkamen. Wir san immer unbeweglicher da, die Glieder wurden steif vor lauter Selbstbeherrschung, mit der man sich gegen den halben Rausch anstemmte. Dann kam die Abendkhle hinzu, Wellen kurzen Schauderns, die bis in die Fingerspitzen reichten. Die Glr waren nun von einem klebrigen Film berzogen, und man trank vorsichtiger, um mit den Lippen nicht zu lange das Glas zu berhren. Einer las das Filmprogramm herunter, doch die Titel bewegten nichts mehr wie frher. Ein anderer schaute pltzlich auf die Uhr, als sei ihm etwas eingefallen. Wer es nun packte, entschlpfte dem dunklen Kreis, hinaus in den Abend. Ich war meist zu langsam, ich rauchte weiter, sank in den Stuhl zurck und atmete schlieich tief durch, um den Absprung einzuleiten. Ich zahlte, indem ich mich von den anderen wegdrehte. Wir hatten nicht mehr viel gemeinsam, jeder ahnte es, und doch warteten alle beschwrend. Ich klinkte mich aus, langsam nahm mich die schwere Fremde um mich herum wieder auf. Ich sprach leise mit mir, es war eine halbherzige Sprache, und es klang wie zur Probe. Dann der anstrmende Verkehr, und eilig, dem ersten Impuls folgend, mischte ich mich hinein.
Wir lebten in Wiesbaden, und die Stadt war gerade richtig fr dieses bette Dasein. Frher war es die Stadt der ruhigen Mieter gewesen, jetzt aber hatten die Rentner und Pension, die noch Mel mit schmalem Pelzbesatz trugen, lst das Nachsehen. Jeder von uns war auf anderem Weg und zu einem anderen Zeitpunkt hierher gekommen, doch irgendwann hatten wir einmal zusammengefunden, als habe es schon immer eine Verabredung gegeben. Die meisten von uns waren auf dem Land aufgewachsen, in den Drfern des Hunsrcks oder am Mittelrhein, und zumindest eine Zeitlang hatten alle dasselbe Gymnasium in der Kreisstadt besucht, einen hellen, manisch zergliederten Bau aus den frhen siebziger Jahren, fr den man ein halbes Waldgele brachgelegt hatte. Aus dieser Zeit kannten wir uns; es gab die langen Nachmittage mit den Freistunden zwischen den Chemiekursen, und es gab das heruntergekommene Cafahe dem Omnibusbahnhof, wo sich einem jedes Gesicht einpre und Phantasien darber aufkamen, mit wem man gerne gesprochen he. Doch all diese Neugierden blieben lange gedft, als me man damit haushalten, bis es ernst werden wrde. Am frhen Abend fuhren die meisten mit dem Bus in ihre Drfer zurck, und fr die Nacht blieb alles zerschnitten, gehemmt und reglos wie in den Kindertagen.
Weil wir so auf Distanz wohnten, wurden Freundschaften besonders wichtig. Ich war meist mit Blok zusammen, in der Schule san wir jahrelang nebeneinander und machten gemeinsam die erge zwischen den frhen Altersstufen mit, so lange, bis Blok immer langsamer wurde und eine Klasse wiederholen mue. Blok war Franks Nachname, er wollte, daman ihn so anredete, weil sein Vater nur Frankie gerufen wurde und ihm dadurch zu nahe kam. Frankie war ein weithin bekannter Landarzt, er war viel mit dem Wagen unterwegs und erleichterte sein schlechtes Gewissen, indem er seine Frau zu zweitgen Wochenendtrips nach Berlin einlud, Flug und Opernbesuch eingeschlossen. Man erkannte ihn schon von weitem an seinen karierten Hemden im Countrystyle, dazu trug er einfarbige, breit auslaufende Krawatten; in der Frh machte er sich auf seine Jogging-Runde, immer derselbe Kurs quer durch das Wchen hinter dem Bungalow, den er nach und nach mit spanischen Mbeln einger…